Shalom Europa
 
  Das Lehrerkollegium der RRR besucht das Kulturzentrum der
Israelitischen Gemeinde in Würzburg
 
 
 

 

Am Mittwoch, dem 30. 09. 2009 fand der Personalausflug des Lehrerkollegiums ins Museum Shalom Europa in Würzburg statt. Seit 900 Jahren ist die jüdische Gemeinde ein maßgebender Kulturfaktor in Würzburg. Die Museumsführerin Frau Serger erklärte uns Grundwerte des jüdischen Glaubens und informierte über traditionelles jüdisches Leben in Würzburg bis in die Gegenwart.

Geschichte der Würzburger Juden im Überblick
Man nimmt an, dass sich Juden erstmals im 11. Jahrhundert in Würzburg ansiedelten. Die Kreuzzüge wie auch die Verfolgungen während der schwarzen Pest brachten großes Leid über die Würzburger Juden. 1565 wurden sie vertrieben und zogen in das nahe liegende Heidingsfeld, heute ein Stadtteil von Würzburg. Heidingsfeld wurde so zu einem wichtigen religiösen Zentrum und war im frühen 18.Jahrhundert Sitz des Ober-Rabbiners von Unterfranken. Erst im späten 18.Jahrhundert stabilisierten sich die Verhältnisse so weit, dass die jüdische Gemeinde ihre religiösen Institutionen wieder nach Würzburg verlegen konnte. Ende des 19.Jahrhunderts war die Würzburger Gemeinde eine der wichtigsten in Bayern. Über 2.000 Juden lebten 1933 in Würzburg. 1.500 davon wurden in Vernichtungslager verschleppt, nur einige wenige überlebten.

Neuaufbau einer jüdischen Gemeinde
Im Juli 1945 kehrten 21 Mitglieder der Vorkriegsgemeinde aus dem Konzentrationslager Theresienstadt nach Würzburg zurück. Bis November 1945 bildete sich eine neue Israelitische Gemeinde von 59 Mitgliedern. Bis heute umfasst die jüdische Gemeinde in Würzburg rund 1200 Menschen.

Begehbares Judentum - Shalom Europa
Mittelpunkt des Museums bilden die so genannten „Judensteine“. Rund 1500 jüdische Grabsteine und Grabsteinfragmente aus der Zeit zwischen 1126 und 1346 wurden im Januar des Jahres 1987 aus dem Abriss-Schutt eines Hauses im Würzburger Stadtteil Pleich geborgen. Das sind ca. 70 Tonnen! Nirgendwo sonst, weltweit, gibt es bislang mehr jüdische Grabsteine aus dem Mittelalter als in Würzburg. Nach ihrer jahrelangen Einlagerung auf dem Dachboden des Rotkreuzhofes in der Nähe von Würzburg fanden sie im Jahr 2006 dann ihren endgültigen und festen Platz im neuen Gemeinde- und Kulturzentrums Shalom Europa in der Valentin-Becker-Straße in Würzburg. Eingebunden in das Museum Shalom Europa sind sie in einem besonderen Raum direkt unter dem Innenhof des Zentrums gelagert. Dort bilden sie gleichsam das Fundament, auf dem das Gemeindezentrum ruht.

Das Museum umfasst Texte, Fotografien, themenbezogenen Exponate (z. B. Torarollen), sowie Bild- und Filmsequenzen aus dem Jüdisches Leben, angefangen von der Geburt bis zum Tod. Objekte wie z. B. der Tallitot (Gebetsmantel), der Tefillin (Gebetsriemen) und ebenso die Mesusa, einer am Türpfosten angebrachten Schriftkapsel mit Abschnitten aus dem Glaubensbekenntnis, zeigten uns eindrucksvoll die traditionellen Vorschriften für das jüdische Gebet.

Fazit: Ein Museum der besonderen Art, das die lange Blütezeit jüdischen Lebens in unserer Region wieder aufleben und die nachfolgenden Generationen – egal welchen Glaubens – daran teilhaben lässt.
 

RSLin E. Anselm, Fotos: Ul