Auf den Spuren des Ortolans  

Kitzingen, 04.05.2011

 
 
  Klasse 6c erkundet den seltenen Vogel in seinem Lebensraum
   
  Der heimliche Wappenvogel des Landkreises Kitzingen ist der Ortolan. Obwohl oder gerade weil es ihn nur an wenigen Stellen und in geringer Anzahl im Landkreis gibt, wird viel für ihn getan. Deshalb verwundert es doch ein wenig, dass er den meisten Menschen völlig unbekannt ist. Zumindest die Klasse 6c der Richard-Rother-Realschule weiß nun Vieles über den Vogel selbst, über seine Lebensraumansprüche und über seine Gefährdung. Sie unternahmen nämlich am Dienstag eine Exkursion in das Ortolanvorkommen bei Willanzheim zusammen mit ihrem Biologielehrer Ottmar Deppisch sowie den beiden Mitarbeiterinnen Dagmar Kobbeloer und Tina Rosenberger vom Landesbund für Vogelschutz (LBV).
   
   

 

Ausgerüstet mit Ferngläsern und unterwegs mit gespitzten Ohren wanderte die kleine Gruppe durch das Verbreitungsareal bei Willanzheim. An verschiedenen Standorten vermittelte die Ortolanbetreuerin Kobbeloer Wissenswertes zu dem seltenen Vogel. So erfuhren die Kinder, dass der Langstreckenzieher eine klein strukturierte Agrarlandschaft mit Sitzwarten braucht. Auf Grund der großflächigen Intensivlandwirtschaft ist Beides heute kaum noch anzutreffen. Deshalb müssen mit aufgeschlossenen Landwirten Verträge geschlossen werden, dass sie ihre Flächen ortolangerecht bewirtschaften. Außerdem braucht der Bodenbrüter warme und wasserdurchlässige Böden, auf denen zur Brutzeit das Getreide nicht zu dicht und zu hoch steht.
  Diplombiologin Dagmar Kobbeloer vom LBV informiert die Schüler der Kl. 6c über Lebensraumansprüche u. Gefährdung des Ortolans.
   
 

 

Der Vogel, der auch Gartenammer genannt wird, kommt nur noch in wenigen Exemplaren in Bayern vor. Bei einer Zählung im Jahr 2003 konnten in Franken gerade noch 312 Reviere festgestellt werden. Beobachtungen in den letzten Jahren zeigen, dass der Bestand weiter zurück gegangen ist. Um den Ortolan, der längst auf den Roten Listen steht, retten zu können, werden auch im Landkreis Kitzingen Maßnahmen ergriffen. So werden zum Beispiel Flächen angekauft und ortolangerecht bewirtschaftet, Obstbäume werden gepflanzt und die Vermarktung von Streuobstprodukten wird gefördert. Führungen und Exkursionen wie die der Klasse 6c sind Teil der Öffentlichkeitsarbeit und helfen mit, für den Ortolanschutz Verständnis zu wecken und neue Verbündete im Kampf gegen sein Aussterben zu gewinnen. Trotz des windigen und Kalten Wetters war der Ortolan eifrig dabei, sein Revier durch Gesang abzustecken und Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Nur zeigen wollte er sich nicht allzu oft. Der Gesang kam nicht wie üblich von den hohen Sitzwarten, sondern meist aus dichtem Laub heraus. Dennoch konnten die Schüler viel Neues erfahren und vielleicht hat sich bei Einigen das einprägsame Lied der Gartenammer im Gedächtnis festgesetzt.
   
 
 

 

Ortolan entdeckt: Die Schüler der Klasse 6c nehmen den Ortolan ins Visier. Bei einer Exkursion nach Willanzheim waren sie dem Charaktervogel des Landkreises Kitzingen auf der Spur.
 

O. Deppisch