„Wo ist denn die Moschee in Kitzingen?“
 
  Die Ethikgruppe der 5. und 6. Klassen besucht die Moschee in Kitzingen
 
  Einige Schülerinnen und Schüler der Ethikgruppe der Klassen 5 und 6 wissen es, sie werden uns den Weg weisen. Am Dienstag, dem 08.Juni 2010 um 10.30 Uhr ist es soweit. Bei strahlendem Sonnenschein laufen 15 Schülerinnen und Schüler zusammen mit Frau Mainka in Richtung Moschee. Am Main entlang, über die alte Mainbrücke nach Etwashausen, bei der Sparkasse links, dann gleich wieder rechts und noch einmal rechts und schon sind wir da.

Nach dem überaus freundlichen Empfang durch den Hodscha Mehmet und einige dort anwesende Frauen dürfen wir sofort in die Moschee hinein. Im Innenhof wird noch gearbeitet, mit einem Augen-zwinkern fragt der Hodscha, ob wir später noch ein bisschen mithelfen wollen. Die Schüler lachen irritiert – er meint das doch hoffentlich nicht ernst.

Bevor wir die Treppe zum Gebetsraum hinaufsteigen, kommen wir an den Waschgelegenheiten für die vor dem Beten vorgeschriebenen rituellen Waschungen vorbei.

Der Gebetsraum ist mit einem dicken, weichen Teppich ausgelegt, auf dem wir Platz nehmen
dürfen. Hier sind die Wände mit bunten Fliesen schön geschmückt, prächtige Kronleuchter rufen erstaunliche Lichteffekte an den Wänden hervor. Reyhan, eine der Damen, übersetzt alles, was der Hodscha sagt, denn er spricht Türkisch. Wir erfahren, dass hier am Freitag und an Feiertagen gebetet wird, dass ein Muslim aber auch zu Hause beten kann. Die muslimische Gemeinde in Kitzingen hat ca. 1500 Mitglieder, es kommen jedoch nicht alle in die Moschee. In der Moschee haben ca. 500 Gläubige Platz. Wir sehen in der Mitte der Wand, vor der wir sitzen, eine Gebetsnische, die nach Mekka zeigt und den Betenden so die Gebetsrichtung angibt. Rechts daneben befindet sich die Predigtkanzel (Minber) und links das Vortragspult, von denen am Freitag und an Feiertagen gepredigt wird. Nun dürfen wir auch über eine weitere Treppe in den Bereich, der den Frauen vorbehalten ist, hoch steigen. Dort können die Schüler ihre Fragen stellen und der Hodscha beantwortet sie alle geduldig. Vor allem die Frage, warum Frauen ein Kopftuch tragen müssen, beschäftigt die Schüler sehr. Der Hodscha erklärt, dass das eine Regel ist, die im Koran steht und deshalb befolgt werden muss.

Schließlich hat der Hodscha auch eine Frage an die Schüler, er möchte wissen, was sie denn im Ethikunterricht lernen. Mit der Antwort, dass sie etwas über verschiedene Religionen, über allgemeingültige Regeln und über das richtige Verhalten zwischen den Menschen erfahren und Werte kennen lernen, die im Leben aller Menschen wichtig sind, ist er zufrieden. Anschließend fordert er die Schüler auf, in der Schule gut mitzulernen und aufzupassen.

Am Schluss zeigt er uns auch, wie er während des Gottesdienstes aussieht, er trägt ein weißes, langes Gewand und eine Art „Käppi“. Dann muss er gehen, er hat noch viel Arbeit. Die Frauen führen uns nun in den Raum, in dem am Samstag und Sonntag die Koranschule stattfindet. Wir werden mit einem leckeren Imbiss und Getränken verwöhnt. Im Gespräch mit den vier anwesenden Frauen wird rasch klar, wie wichtig es ist, dass wir, Türken (aber auch Menschen anderer Nationalitäten) und Deutsche, Muslime und Christen miteinander reden und gegenseitig Toleranz üben. Nur so kann gegenseitiges Verständnis wachsen. Unwissenheit über die fremde Kultur lässt nur Hass entstehen. Am Ende bedanken wir uns für den herzlichen Empfang. Die Frauen und auch der im Hof arbeitende Hodscha laden uns freundlich ein, doch wieder zu kommen. Das werden wir gerne tun.
 
 
 
 

Text, Fotos: Mk