Geschichte vor Ort  

Kitzingen, 26.09.2010

 
 
  Die 10. Klassen besuchen das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald
 
 

 

Am Freitag, den 24. 09. 2010 begaben sich – wie jedes Schuljahr - die 10. Klassen der RRR auf die Reise zur Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar. Da ich auf unserer Website jedes Schuljahr von dieser Exkursion (Archiv) berichte, möchte ich dieses Mal nicht über das Martyrium des Konzentrationslagers schreiben, sondern von der Befreiung des Lagers durch die Amerikaner am 11. April 1945.

 

Vor 65 Jahren in den frühen Nachmittagsstunden wurde das KZ Buchenwald nahe Weimar befreit. Amerikanisches Militär nähert sich, die SS flieht, einige Häftlinge ersteigen den Wachtturm über dem Haupt-Eingangstor. Vom erstiegenen Turm her weht die weiße Fahne, die Lagertore werden geöffnet, die überlebenden Menschen sind frei.

 

21.000 zerlumpte, halb verhungerte und kranke Menschen konnten überleben von den ca. 250.000, die dort von 1937 bis 1945 inhaftiert waren. Mehr als 56.000 wurden ermordet.

 

Der Augenblick der Toröffnung wird für die Ewigkeit fixiert: die Uhr über dem Eingangstor wird angehalten; bis auf den heutigen Tag zeigt sie den damaligen Zeitpunkt der Befreiung an - 15.15 Uhr.

 

In der Nähe des Eingangstores, auf dem ehemaligen Appellplatz, errichteten die befreiten Häftlinge im Mai 1945 einen hölzernen Obelisk; die Initialen K.L.B. (Konzentrationslager Buchenwald) wurden ihm eingeritzt. So erinnerten die Befreiten, was ihnen hier auf dem Ettersberg bei Weimar angetan wurde. Der Obelisk existiert nicht mehr; stattdessen fügte man vor 10 Jahren eine Betonplatte in den Boden. „Warmes Mahnmal“ nennt der Künstler Horst Hoheisel sein Erinnerungs-Mal.
               
 
 

 

Denn eine Flächenheizung in der Platte bewirkt, dass ihre Temperatur konstant auf 36,5 Grad gehalten wird, somit auf die menschliche Körpertemperatur verweist. Selbst im kalten Winter, wenn ringsum Schnee liegt, bleibt diese Platte warm und frei von Schnee. Unsere Schüler knieten nieder und berührten die Platte mit ihren Händen. Die eigene Körperwärme berührt sich mit der Wärme des Mahnmals und tauscht somit Wärme aus – der Schüler erfährt, was den gefangenen Menschen des Lagers so grausam fehlte:

 

Wärme; Wärme der Kleidung, des Essens, der Zuwendung und der Liebe. 

 

Auf dem Mahnmal der Wärme hat der Künstler die Namen aller 51 Nationen und nationalen Gruppen aufgeschrieben, die in Buchenwald umkamen. Im unteren Segment meißelte er die Initialien K.L.B., die, wie schon erwähnt, auch dem ersten Mahnmal des Obelisken eingeritzt waren.

 

Den Obelisk gibt es nicht mehr, und die Mehrzahl der im April 1945 befreiten Menschen sind heute auch nicht mehr am Leben - aber die Wärme ihrer Hände ist da: im gleichbleibenden Wärmestrom der Betonplatte. Wenn wir uns bücken und sie berühren, spüren wir sie – wie wir uns selbst spüren. Ein bewegender, aber gleichzeitig auch beruhigender Gedanke.
   
 

 

RSLin E. Anselm