23. September 2009: Exkursion vor Ort
 
  Unsere 10. Klassen besuchen die Gedenkstätte Buchenwald
 
 
 

 

Das Konzentrationslager Buchenwald war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Im Juli 1937 ließ die SS auf dem Ettersberg bei Weimar den Wald roden und errichtete ein neues KZ. Mit dem Lager sollten politische Gegner bekämpft, Juden und Sinti und Roma (sog. „Zigeuner“) verfolgt und „Gemeinschaftsfremde“, unter ihnen Homosexuelle, Wohnungslose und Zeugen Jehovas, dauerhaft aus der deutschen „Volksgemeinschaft“ ausgeschlossen werden. Schon bald wird Buchenwald zum Synonym für das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Nach Kriegsbeginn 1939 werden Menschen aus ganz Europa nach Buchenwald verschleppt. Im KZ auf dem Ettersberg und seinen 136 Außenlagern sind insgesamt über 250.000 Menschen inhaftiert. Die SS zwingt sie zur Arbeit für die deutsche Rüstungsindustrie (Gustloff-Werke - einer der größten Rüstungskonzerne in Mitteldeutschland). Ca. 56 0000 Menschen sterben im Konzentrationslager Buchenwald.

Nach einer halbstündigen Einführung durch einen Dokumentationsfilm über das KZ Buchenwald wurden die Klassen in vier Gruppen aufgeteilt und es begann die Führung durchs ehemalige Konzentrationslager. Zuerst erfuhren wir Wissenswertes über das sowjetische Speziallager, sozusagen ein zweites Konzentrationslager, das nach der Befreiung der Amerikaner von 1945 bis 1950 auf dem Gelände bestand. Zu dieser Zeit waren hauptsächlich Kriegsverbrecher des Dritten Reiches, aber auch Gegner der Sowjets eingesperrt. In diesem Speziallager starben zwischen 7.000 und 8.000 Menschen. Nähere Informationen zum sowjetischen Speziallager unter: www.buchenwald.de/index.php

Dann führte uns der Exkursionsleiter weiter zu den Hundezwingern des Lagerkommandanten.
Dort erzählte er uns die Geschichte, wie der Kommandant einen neuen Hund ins Lager brachte, aber alle sechs Zwinger schon belegt waren. Er meinte, dass man nur im äußersten Notfall zwei Hunde in einen Zwinger sperren dürfe, alles andere wäre Tierquälerei. Im Vergleich zur Enge und zu den unmenschlichen Verhältnissen, die im angrenzenden Lager herrschten, war diese Geschichte für uns unglaublich zynisch. Übrigens waren die Hundezwinger im Gegensatz zu den Lagerbaracken auch noch beheizt.
Das Torgebäude, durch das wir anschließend hindurchgingen, markiert die Grenze zwischen dem SS-Bereich und dem Häftlingslager.
Seine zynische Inschrift „Jedem das Seine“ ist nur von innen zu lesen. Im Lagertor befindet sich auch der „Bunker“, der Arrestzellenbau des KZ, in dem Häftlinge systematisch gefoltert wurden. Den Opfern sind heute Gedenkräume gewidmet.
Durch das Eisentor betritt man den großen Appellplatz. Auf diesem, dem zentralen Platz des Lagers, mussten die Häftlinge an jedem Morgen und Abend zum Zählappell antreten, der je nac
h Willkür der SS zwischen zwei und 18 Stunden dauern konnte. Wer nicht mehr stehen konnte und zusammenbrach, wurde wegen Befehlsverweigerung erschossen. In den Boden eingelassene Blocksteine markieren heute die ehemaligen Stellplätze der einzelnen Blocks, die 8 Meter breit und 50 Meter lang waren (Die Blocks wurden in den 50er Jahren durch die DDR-Regierung abgerissen). Diese Baracken bestanden erst aus Holz und später aus Stein.

Das KZ Buchenwald erhielt 1940 ein eigenes Krematorium, entwickelt von der Erfurter Firma „Topf & Söhne“. Dadurch wird deutlich, wie auch die deutsche Gesellschaft in die NS-Verbrechen verankert war
(Vor dem Bau des Krematoriums wurden die Toten des Lagers in Weimar eingeäschert). Die Verbrennungsöfen sind heute ein Grabdenkmal für die Toten Buchenwalds.
In der pathologischen Abteilung ließ die SS die Leichname vor der Verbrennung ausplündern.
Man brach den Toten die Goldzähne heraus und stellte aus ihrer Haut, aus ihren Organen und Skeletten Präparate her. Die Funktion der Genickschußanlage im Pferdestall (außerhalb des Lagers) erklärt ein Modell im Nebengebäude des Krematoriums.
Die große Effektenkammer diente seit 1939 als Häftlingsbekleidungskammer und Aufbewahrungsort für die Koffer und deren Inhalt der Häftlinge sowie als Magazin. Hier befindet sich heute die Ausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers. Auf über 1.600 qm machen Hunderte von Exponaten, Dokumenten und Zeitzeugenberichten die Geschichte Buchenwalds nachvollziehbar.
 

RSLin E. Anselm